Da ich immer wieder Anfragen nach Dobermannwelpen erhalte, möchte ich hier einmal ein paar Gedanken zur Zucht öffentlich machen.
Ein Dobermann ist definitiv nicht ein Hund für jedermann und auch kein Jedermannshund. Ein Dobi ist anstrengend, sehr anstrengend manchmal! In vielen Kantonen in der Schweiz braucht es für den Dobermann eine Bewilligung, oder er ist gar ganz verboten. (Das ist auch so eine Sache, über die es viel zu schreiben gäbe, aber lassen wir das. Ich wollte auf meiner HP eigentlich nicht politisch werden….) Man muss also schon einigen Aufwand betreiben, (auch finanziell) um überhaupt einen Dobi erwerben und halten zu können. Das hat vielleicht etwas Gutes – dass man nämlich nicht unüberlegt einen Dobermann anschafft.
Die erste Zeit mit einem Welpen verläuft meist völlig problemlos. Abgesehen von kurzen Nächten, angeknabberten Schuhen, Bächlein und anderes auf dem Teppich… Alle finden den kleinen Fratz süss und zum Knuddeln, und sogar mancher Hundeskeptiker kann dem kleinen Charmebolzen nicht widerstehen. Leider geht diese Zeit aber sehr schnell vorbei. Aus dem süssen Welpi wird rasch ein Hund, der sich zwar immer noch wie ein Welpe benimmt, aber optisch einfach nicht mehr ins Kindchenschema passt. Will sagen: er sieht aus wie ein erwachsener Hund, benimmt sich aber wie ein Welpe. Niemand (mit wenigen Ausnahmen) findet das noch lustig. Der Hund darf keinesfalls mehr zu fremden Personen hinlaufen, geschweige denn an ihnen hochspringen. Er sollte aufs Wort gehorchen, ohne dass er die Zeit gehabt hätte, das alles schon so zu lernen und das Gelernte zu verinnerlichen. Schwierig, schwierig und sicher eine Zeit, in der es beim Besitzer viel Nerven und Geduld braucht. Nicht alle haben beides. Und dann kommt auch noch die Pubertät…! Das ist dann die Zeit, in der die Hunde nicht selten wegen Überforderung wieder abgegeben werden. Bestenfalls gehen sie zurück an den Züchter, im ungünstigen Fall landen sie im Tierheim. Schlimmstenfalls werden sie eingeschläfert. Ein unerträglicher Gedanke für mich!
Wie kann man jemandem ansehen, ob er der richtige Mensch für einen Dobermann ist? Klar führt man Gespräche, versucht man mit seiner Menschenkenntnis, die Person richtig einzuschätzen. Leider gelingt das nicht immer. Dabei fühle ich mich als Züchter verantwortlich für die Wesen, die allein meinetwegen auf unserer Welt herumwuseln. Die Verantwortung hört eben nicht mit der Abgabe an den neuen Besitzer auf. Kann sein, dass das übertrieben ist, aber so ist es halt bei mir – und so sollte es meiner Meinung nach bei einem guten Züchter auch sein.
Irgendwie hat mich der Mut zur Zucht verlassen. Obwohl es mir fast das Herz abdrückt, wenn bei Bekannten oder Züchterfreunden wieder ein Wurf Dobermännlein fällt. Ich hatte grosse Pläne, aber durch die schwierige (hunde)politische Situation wurden sie zunichte gemacht. Die Hundeerziehung ist heute sehr anspruchsvoll geworden. Die Umwelt erwartet von unseren Vierbeinern perfekten Gehorsam. Das kann man alles erreichen, aber es braucht extrem viel Zeit und Geduld und, und, und! Nicht alle wollen und können so viel Zeit investieren!
Und ausserdem bleiben unsere Hunde immer noch, was sie sind, nämlich Tiere und keine kleinen Roboter, die auf Knopfdruck funktionieren! Und sie können auch immer nur wie Hunde reagieren.
Ich zweifle nicht, dass es immer noch Menschen gibt, die nicht sofort die Flinte ins Korn werfen, wenn ein Problem auftaucht, die auch in schwierigeren Zeiten zu ihrem vierbeinigen Freund stehen. Aber Dobis haben grosse Würfe und auf einmal 6 bis 10 geeignete Menschen zu finden…
Ich habe bei meinem ersten Wurf so viel erlebt, – auch viele bange Stunden. Allerdings die sorgenvollsten Zeiten erst nach der Abgabe. Krankheit, Vergiftung, Unsicherheit, Ueberforderung. Ups and downs und leider nicht nur das reine Glück! Das braucht viel Substanz…
Für mich heisst das im Moment, dass ich mich nicht traue, nochmals einen Wurf zu machen. Ganz abgesehen davon habe ich zur Zeit auch keine Zuchthündin mehr, und obwohl mich das alles mit Wehmut erfüllt, denke ich einfach, dass es wohl besser ist so.
Vielleicht werden die Zeiten ja mal wieder anders?! Obwohl, glauben tu ich nicht mehr wirklich daran!







3 Kommentare
Kommentar-Feed für diesen Beitrag
Februar 10, 2010 um 7:07 nachmittags
Anke
Ach Helga!
das macht mich jetzt traurig..Du wirst doch jetzt nicht die Flinte in´s Korn werfen???
mach doch eine ZTP ( und wenn es nur um das Prinzip ist)
unsere Dobis sind Familienhunde ohne “Fehl und Tadel” ( wirklich) und in D fast Repressalienfrei…
hier auch selbstverständlich Sport -und auch Gebrauchshunde
die Krux..dass etwas nicht passt..hat man immer…
März 11, 2010 um 5:36 nachmittags
Bracher Christian
so schade. aber ich kann das gut nachvollziehen. mein hund wurde letztes jahr vergiftet und ich habe mir gesagt ich will nie mehr den schmerz fühlen der eine solche tat hervorruft…
mittlerweile weiss ich das man die menschen nicht ändern kann, sowenig man einfluss darauf nehmen kann was sie tun. es wird immer eine gruppe menschen geben die etwas daran auszusetzen haben wie andere leben. und was andere für ideale haben.
ich will wieder einen vierbeinigen freund. auch wenn das heisst das ich mit dem risiko leben muss ihn zu verlieren, nur weil jemand ein problem damit hat.
ich hoffe dir damit zu zeigen das es noch leute gibt die genau so denken wie du…
gruess chrigel
März 12, 2010 um 10:50 vormittags
Helga Altorfer
Hallo Chrigel, tut mir sehr, sehr leid, was mit Deinem Hund passiert ist! Aber lass Dich nicht davon abhalten Dir wieder einen vierbeinigen Freund zu suchen!!! Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber es lohnt sich nicht…
Sei gewiss, ich werde mir die Hundehaltung nicht vermiesen lassen, nur bei der Zucht bin ich mir einfach nicht mehr so sicher.
Au än liäbä Gruäss
Helga